Viele Menschen haben sich schon mit dem tieferen Sinn der Fotografie beschäftigt. Zitate berühmter Fotografen wurden schon bis zur Schmerzgrenze des Erträglichen belastet. Das Internet macht hier auch dem fotografischen Neuling eine Vielzahl bedeutungsschwangerer Betrachtungen mit philosophischem Hintergrund zugänglich.
Wer Fotografie erlernen will, der muss sich zunächst mit vielen theoretischen Dingen beschäftigen. Das ist das Handwerkszeug. Es ist normal. Wer ein Instrument erlernen will, dem ergeht es ähnlich. Nach meinen Erfahrungen endet dieser Prozess nie. Aber irgendwann kommt der Zeitpunkt, da ist das Wissen über Bildwirkung und der dafür notwendigen Technik vorhanden, ohne darüber nachdenken zu müssen. Und dann wird Raum geschaffen für Kreativität. Erst dann fokussiert sich alles nicht mehr auf das, was man mit den Augen sieht, sondern auf den eigenen, inneren Blick. Erst dann erhält das Bild Charakter. Denn erst dann zeigt die Fotografie, was der Fotograf mit seinen Gedanken und Gefühlen gesehen hat.
Das Fotografieren von Menschen ist in diesem Zusammenhang eine sehr spannende Sache. Werbefotografie möchte ich hier einmal ausklammern. Sie verfolgt einen anderen Zweck. Sie dient nicht dem Menschen, sondern dem Produkt, das durchaus auch der Mensch sein kann. Das ist nicht meine Art der Fotografie. Ich will den Menschen sehen. Nicht mit dem Handwerkszeug, nicht mit den Augen, sondern mit dem Herzen. Das Betrachten der fertigen Bilder bringt dann die Wahrheit ans Licht, oder eben nicht. Wenn ich auf dem Bild dann einen Menschen sehe, wie ich ihn gesehen habe, dann ist es für mich ein gutes Bild. Dann ist es gute Fotografie. Dann überrascht man manchmal auch den abgebildeten Menschen mit seinem Selbst und seiner Selbstwahrnehmung.
Ich habe hier schon einige Bilder von Katrin Miriam Huber gezeigt. Dieses hier hat mich selbst am meisten überraschen können.

Hasselblad 501 c/m - 80mm - Kodak Portra 400 VC - Cross Entwicklung