Und plötzlich läuft einem die Zeit davon

17 Oktober by Michael Kellenter

Zwölfeinhalb Jahre bist Du nun schon bei uns. Was für eine lange Zeit. Und am Ende vergeht sie dann doch schneller als einem lieb ist.

Ich beobachte es schon geraume Zeit. Es ist nicht zu übersehen. Du steigst keine Treppen mehr. Das Aufstehen bereitet Mühe. Die Ohren hören schlecht, die Augen sehen nicht mehr. Die Spaziergänge werden kürzer. Du schläfst viel. Ich denke mit Wehmut daran, wie es sein wird, wenn Du gehen musst.

Aber dann ich sehe ihn noch, den Clown in Deinem Gesicht. Der Schalk sitzt Dir im Nacken wie in jungen Jahren. Die dunklen Augen funkeln noch bei der einen oder anderen Gelegenheit. Da ist noch Lebenslust. Ich kann sie sehen. 

Du vergräbst Deine Knochen im Garten - für die harten Zeiten. Ich frage mich, wann die wohl kommen mögen. Wie viel Zeit verbleibt überhaupt noch?

Ich erkenne die Sinnlosigkeit dieser Frage. Stattdessen freue ich mich über jeden Tag mit Dir. Du sollst Deine Zeit geniessen und ich will das auch tun.

Das hast Du verdient. Das und noch viel mehr.

 
Leica M6 - 35mm - Kodak Tri-X
 
 

Kommentare

Thomas Widmer | Oktober 19. 2011 14:23

Hallo Michael

Es mag auf den ersten Blick sinnlos erscheinen, sich zu fragen, wieviel Zeit noch bleibt. Und doch ist es ein erster Schritt des Abschiednehmens den Du jetzt gerade gehst. Sich mit dem Gedanken auseinander zu setzen wie es sein wird, wenn es soweit ist. Es ist ein wichtiger Schritt. Mir persönlich hat er geholfen die Situation zu meistern als uns dann sehr plötzlich die Zeit davonlief und ich mich entschieden habe, meinen Hund nicht leiden zu lassen. Denn das hatte er definitiv nicht verdient.

Es sind übrigens wundervolle Bilder die ich mir immer wieder gerne anschaue - auch das von Riva. Ich wünsche Euch beiden noch eine ganz schöne gemeinsame Zeit.

Thomas

Thomas Liehr | Oktober 19. 2011 18:52

Bei unserem letzten Treffen stand ich vor ihr und hatte ähnliche Gedanken. Ich konnte mir gar nicht vorstellen, dass sie einmal nicht mehr quer in der Diele liegt, um auch ja alles unter Kontrolle zu haben. Vielleicht will man es sich auch gar nicht vorstellen, da man sich der Vergänglichkeit bewußt wird und das Glück nicht festhalten kann.

Viele Grüße von L. aus H., der den Ofen nach wie vor zum qualmen bringt!

Michael Kellenter | November 2. 2011 19:31

@Thomas W.: Ich denke, Du hast Recht. Danke Dir.
@Thomas L.: Ich kann es mir auch nicht vorstellen, oder vielleicht will ich auch nicht. Dank auch an Dich.

Viele Grüße
Michael

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