Was ist (gute) Fotografie?

29 Oktober by Michael Kellenter

Viele Menschen haben sich schon mit dem tieferen Sinn der Fotografie beschäftigt. Zitate berühmter Fotografen wurden schon bis zur Schmerzgrenze des Erträglichen belastet. Das Internet macht hier auch dem fotografischen Neuling eine Vielzahl bedeutungsschwangerer Betrachtungen mit philosophischem Hintergrund zugänglich.

Wer Fotografie erlernen will, der muss sich zunächst mit vielen theoretischen Dingen beschäftigen. Das ist das Handwerkszeug. Es ist normal. Wer ein Instrument erlernen will, dem ergeht es ähnlich. Nach meinen Erfahrungen endet dieser Prozess nie. Aber irgendwann kommt der Zeitpunkt, da ist das Wissen über Bildwirkung und der dafür notwendigen Technik vorhanden, ohne darüber nachdenken zu müssen. Und dann wird Raum geschaffen für Kreativität. Erst dann fokussiert sich alles nicht mehr auf das, was man mit den Augen sieht, sondern auf den eigenen, inneren Blick. Erst dann erhält das Bild Charakter. Denn erst dann zeigt die Fotografie, was der Fotograf mit seinen Gedanken und Gefühlen gesehen hat. 

Das Fotografieren von Menschen ist in diesem Zusammenhang eine sehr spannende Sache. Werbefotografie möchte ich hier einmal ausklammern. Sie verfolgt einen anderen Zweck. Sie dient nicht dem Menschen, sondern dem Produkt, das durchaus auch der Mensch sein kann. Das ist nicht meine Art der Fotografie. Ich will den Menschen sehen. Nicht mit dem Handwerkszeug, nicht mit den Augen, sondern mit dem Herzen. Das Betrachten der fertigen Bilder bringt dann die Wahrheit ans Licht, oder eben nicht. Wenn ich auf dem Bild dann einen Menschen sehe, wie ich ihn gesehen habe, dann ist es für mich ein gutes Bild. Dann ist es gute Fotografie. Dann überrascht man manchmal auch den abgebildeten Menschen mit seinem Selbst und seiner Selbstwahrnehmung.

Ich habe hier schon einige Bilder von Katrin Miriam Huber gezeigt. Dieses hier hat mich selbst am meisten überraschen können. 

Hasselblad 501 c/m - 80mm - Kodak Portra 400 VC - Cross Entwicklung

 

 

 

Kommentare

Stefan Loeliger | Oktober 29. 2009 22:50

Salgado auf die Frage wieso er eigentlich ausschliesslich schwarzweiss fotografiert..."nun ich denke die Farbe lenkt mich zu fest vom Motiv ab"...und genau so ergeht es mir hier...


Michael Kellenter | Oktober 30. 2009 07:58

Henri Cartier-Bresson: "Das eine Auge des Fotografen schaut weit geöffnet durch den Sucher, das andere, das geschlossene, blickt in die eigene Seele"

Vielleicht habe ich ja dort ein wenig Farbe gefunden, Stefan Smile

Ich habe eine Variante in s/w versucht. Ich kann nachvollziehen, was Du meinst.

Michael Dörr | November 9. 2009 18:55

Also ich muss zugeben ... ich mag die Farben sehr gern Smile

Michael Kellenter | November 10. 2009 19:11

Ein Freibier für den Dörrfisch! Smile

Hallo Michael, ich freu mich immer über Deinen Besuch!

Frank Pohlmann | November 13. 2009 21:50

Hallo Michael,

Mir gefällt das farbige Bild auch am besten aus der Serie. Und das sage ich nicht nur, um auch ein Freibier zu bekommen. Wink
Der Portra VC kann richtig toll sein und manchmal auch wunderbar experimentell. Smile

Gruß, Frank

Larry | November 15. 2009 18:17

This is a very nice portrait. Just lovely.

Pierre Vau | Dezember 15. 2009 11:20

Wirklich ein schönes Portrait!
Aber auch ich empfinde die (vielen) bunten Farben als ein wenig ablenkend von dieser doch sehr ruhig wirkenden Frau. Es ist nicht die Farbe an sich, es ist hier der ganze Farbtopf, der die Aufmerksamkeit des Betrachters einfordert.

LG Pierre

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