Gewahrsein im Augenblick

08 Mai by Michael Kellenter

Vor Kurzem habe ich ein Buch über Meditation gelesen. "Vögel fliegen ohne Koffer" von Ajahn Brahm. Ein Buch - vermeintlich geschrieben als Anleitung zum Meditieren - entpuppt sich schon ab den ersten Seiten als Denkanstoss und "Leitfaden" für die Anwendung im Alltag und den Weg in ein unbeschwertes und fröhliches Leben. Ursula Richard bringt in ihrer Einleitung auch meine Gedanken dazu auf den Punkt: 

(Zitat) "Was sollen Vögel mit Koffern anfangen? Sie brauchen kein Gepäck, müssen sich nicht mit Lasten beschweren, sondern fliegen vollkommen frei, einfach so, wie sie sind. Was uns bei den Vögeln so absurd erscheint, ist uns selbst aber wohl vertraut. Tag für Tag schleppen wir enorme Lasten mit uns herum - unsere alltäglichen Sorgen und Nöte, unsere Konzepte und Ideen. Wir kommen kaum auf die Idee, dass dieses Gepäck nicht mit uns verwachsen ist, wir es nicht zwingend mit uns herumtragen müssen, sondern wir es auch abstellen und dann frei und beschwingt unseren Weg fortsetzen können. Wir müssten dazu nur unseren Griff lockern und es loslassen. Möglicherweise versetzt uns diese Vorstellung in Angst und Schrecken, da wir so an unser Gepäck gewöhnt sind, dass wir glauben, ohne es wären wir niemand. Ajahn Brahm lädt uns in diesem Buch durch seine wunderbaren Geschichten und klaren Anleitungen zur Meditation ein, Mut zu fassen und das Loslassen auszuprobieren." (Zitatende)

In einer seiner Geschichten lehrt Ajahn Brahm das "Gewahrsein im Augenblick", das bewusste Erleben des Moments, ohne Gedanken an Vergangenheit oder Zukunft. Den Augenblick erleben, wie er ist. Und dann bereit sein für den nächsten Augenblick und den vorherigen vergangen sein lassen. Ich habe es versucht. Es ist nicht leicht. Aber es ist möglich. Und es macht leicht. Für einen Augenblick wird man dann auch zum Vogel ohne Koffer...

 
Leica M6 - 35mm - Kodak Portra 160 VC
 
 
 

Kommentare

Thomas Widmer | Mai 8. 2009 09:20

Das klingt spannend und macht Lust auf mehr. Ich werde mir das Buch besorgen. Übrigens hast Du ein wunderbar passendes Foto ausgewählt.

Michael Kellenter | Mai 8. 2009 14:01

Hallo Thomas,
freut mich, dass ich Dich zum Lesen anregen konnte.
Dieses Bild entstand übrigens ganz in der Nähe von Basel bei einem Osterbesuch.

Frank Pohlmann | Mai 10. 2009 07:27

Hallo Michael,

Wenn ich in London bin, besuche ich fast jeden Tag die National Gallery, um mir mal wieder ein altes, liebgewordenes Bild anzuschauen. Und deswegen schaue ich auch so einmal im Monat hier vorbei. Deine ganze Reihe "Jump" gefällt mir sehr, auch dieses und die Verbindung zu dem Text. Ich versuche seit kurzem chinesische Philosphie und Religiösität zu verstehen, auch Übungen zu machen. Dort finden sich ähnliche Gedanken und ich kann deinem Wort nur zustimmen: "es ist nicht leicht, aber möglich". Da fällt mir ein, ein Foto ist ja genau ein Augenblick. Danke für den Buchtipp!

Frank

Michael Kellenter | Mai 10. 2009 12:22

Hallo Frank,

ich freue mich immer über Gäste!
Die Inhalte des genannten Buches entsammen der buddhistischen Lehre, aber - so wie ich es auch tue - sind sie unabhängig von Religionen anwendbar. Für mich ist es vielmehr die Rückbesinnung auf die Wahrheit unseres Geistes und die Verbindung zum Körper unter kritischer Prüfung aller bislang verfolgter persönlicher Werte des Egos. Und hierbei darf ruhig ein universeller dem individuellen Ansatz vorgezogen werden. Das erwähnte Buch vermag diese vermeintlich fremde und abstrakte Betrachtungsweise in humorvoller Weise in den Alltag zu "übersetzen".

Danke für Deinen Besuch Smile

Michael

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